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Öffnungszeiten

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Sa: 09:00-18:00 Uhr

Geschichte

Die Gründung der Schwan Apotheke

Die Schwan-Apotheke gehört zu den traditionsreichsten Apotheken der Stadt Erfurt. Sie gehörte zu den sechs privilegierten Erfurter Apotheken des Jahres 1689 - neben der Römer-Apotheke, der Mohren-Apotheke, der Grünen Apotheke, der Marien-Apotheke und der Löwen-Apotheke.
Die Anfänge der Schwan-Apotheke liegen im Dunkel der Geschichte. Vermutlich erfolgte die Gründung der Apotheke im Pestjahr 1636. Durch Zerstörung und Umbau gab es in der langen Geschichte der Apotheke verschiedene Standorte. Nachweisliche Standorte waren Anger 66 und Schlösserstraße 2 von 1636/1744 bis 1878; Anger 64 von 1878 bis 1945 und Bahnhofstraße 2 seit 1945.

1638 - 1666 ist der Apotheker und Biereigen Johann Martini Besitzer der Apotheke im Haus "Zur Rosenecke" (Anger 66).

Am 15.03.1689 wird der Apotheker und Biereigen Balthasar Stortz als Besitzer der Apotheke, die den Namen "Zum güldenen Schwan" trägt, genannt.

Übersetzung des Privilegs (siehe Bild rechts):
Auf dass bey. dem Hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Anselm Franzen, Erzbischof zu Maintz und Churfürsten, unserem gnädigsten Herrn, von Frantz Dionisio Fischer, Heinrich Wilhelm Nackchen, Juliana Fischerin Witti. Augustin Vogeln, Balthasar Stortzen und Christoph Reglern, sämtlichen Apothekhern alhier erschihenes unterthänigstes nachsuchen dass nicht allein über die Ihrige keine Weitere corpora oder Apothekchen angelegt, sondern auch die übrige nach abgeschafft werden möchten. Thun Ihre Kurfürstliche Gnaden hiermit die Gnädigste erklärung, dass Hinführe ohne derselben oder dero Succeshoren verbewusst und sonderbare Bewilligung Keine fernere Apothekchen angelegt und aufgerichtet werden solen, und haben dabeneben dieses den Supplicanten nachtrücklich zu bedeuten, gnädigst anbefohlen. Signatum Erfurth, den 15. Martii 1689

gez. Unterschriften Siegel

Decretum den allhirigen Apothekhern, Frantz Dionisio Fischer, Heinrich Wilhelm Nackchen, Juliana Fischerin Wittib, Augustin Vogeln, Balthasar Stortzen und Christoph Reglern, zuzustellen.



Die Schwan-Apotheke unter Führung der Familie Trommsdorff



Seit dem 23.02.1734 ist der Apotheker Jakob Hieronymus Trommsdorff (1708-1768) Besitzer der Apotheke und des Apothekengrundstücks. Er ist Sohn des Pastors an der Erfurter Andreaskirche und Professors an der Erfurter Theologischen Fakultät Johann Samuel Trommsdorff (1675-1713). Jakob Hieronymus Trommsdorff machte seine Apothekerlehre von 1723 bis 1728 in der Marien-Apotheke und gab der Apotheke den Namen ?Zum Schwan(en)-Ring?.

13.05.1744 fand eine Erweiterung der im Haus ?Zur Rosenecke? befindlichen Schwan-Apotheke durch Zukauf eines Teils des in der Schlösserstraße gelegenen Hauses ?Zum grünen Strahl? statt.

1768 kam es zur Besitzübernahme der Apotheke und des Apothekengrundstücks durch den Arzt und späteren Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Erfurt, Wilhelm Bernhard Trommsdorff (1738 bis 1782), einem Sohn von J. H. Trommsdorff. Da dieser durch seine Tätigkeit als Leibarzt des kurmainzischen Statthalters (1771-1802) Carl Theodor Anton Maria von Dalberg sowie als Allgemeinmediziner und Hochschullehrer über Gebühr in Anspruch genommen wurde, übertrug er die Leitung der Apotheke Provisoren, deren bedeutendster 1781/1782 der später berühmte Hallenser Universitätsprofessor Friedrich Albert Carl Gren (1760-1798) ist.

1773 erfolgt die Einrichtung einer privaten Poliklinik (?Klinisches Institut?) für Mittellose im Apothekengebäude durch W. B. Trommsdorff, die 1781 offiziell als ärztliche Ausbildungsstätte der Universit&aumL;t anerkannt wird.

Am 06.05.1782 übernimmt die Witwe des im selben Jahr verstorbenen W. B. Trommsdorff Apotheke und Apothekengrundstück. Sie lässt vor ihrer 1787 erfolgten zweiten Eheschließung mit dem Professor an der an der medizinischen Fakultät der Universität Erfurt, Johann Jacob Planer (1743-1789) die Apotheke weiterhin von Provisoren verwalten, so 1783/1784 durch den Apotheker Christian Friedrich Ernst Lucas, den späteren Eigentümer der Mohren-Apotheke.

Johann Bartholomäus Trommsdorff



1790 übernimmt Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770-1837), der älteste Sohn von W. B. Trommsdorff, die Leitung der Apotheke. Johann Bartholomäus Trommsdorff hatte, von Gren beeinflusst, während der Jahre 1784-1787 bei Wilhelm Heinrich Sebastian Bucholz in Weimar die Apothekenlehre absolviert und war von 1788 bis 1790 Apothekengehilfe in Stettin und Stargard.

Am 13.11.1795 eröffnet J. B. Trommsdorff die von ihm gegründete und in der Apotheke untergebrachte ?Chemisch-physikalisch-pharmazeutische Pensionsanstalt?, die erste moderne chemisch-pharmazeutische Ausbildungsstätte Deutschlands mit nationaler Vorbildwirkung, die bis 1828 existiert und aus der eine Vielzahl weithin bekannte Schüler aus verschiedenen europäischen Ländern hervorgeht. Er führte damit den Apothekerberuf vom Handwerk zur Wissenschaft. Damit gilt er als einer der Gründerväter der modernen Pharmazie.

1796 erfolgt die Erweiterung der Apotheke durch Zukauf des restlichen Teils des Hauses ?Zum grünen Strahl? in der Schlösserstraße.

Ab 1797 beginnt die Massenproduktion von ?ächtem, unverfälschtem Pfeffermünzöl? durch J. B. Trommsdorff in dessen Apothekenlaboratorium. Daraus entsteht 1837 die Chemische Fabrik seines Sohnes Christian Wilhelm Hermann Trommsdorff (1811-1884).

1801 pachtet J. B. Trommsdorff die Apotheke. Seit 1795 ist er außerordentlicher sowie seit 1811 ordentlicher Professor der Chemie an der medizinischen Fakultät der Universität Erfurt. Er veröffentlicht über 700 z.T. in neun Sprachen übersetzte wissenschaftliche Arbeiten.

1826 geht der Besitz der Apotheke und des Apothekengrundstücks auf J. B. Trommsdorff über, der von 1809 bis 1822 auch Inhaber der Hofapotheke in Rudolstadt ist.

Am 08.03.1837 stirbt J. B. Trommsdorff und sein Sohn, Christian Wilhelm Hermann Trommsdorff, übernimmt die Apotheke und gründet im Apothekengebäude die Chemischpharmazeutische Fabrik.

Die seit 1837 von dem Apothekengeschäft getrennte Fabrikation chemisch-pharmazeutischer Präperate wird 1841/1842 in die Weißfrauengasse 3-4 verlegt. Die vorzügliche Qualität der Produkte der Chemischen Fabrik H. Trommsdorf wird u.a. 1855 durch die Verleihung des französischen Ordens der Ehrenlegion an Cr. W. H. Trommsdorf gewürdigt.

1865 erfolgt die Übernahme der Leitung der Schwan-Apotheke durch Carl Herrmann Trommsdorff.

Verkauf der Schwan-Apotheke durch die Familie Trommsdorf





Am 01.02.1873 geht der Besitz der Apotheke und des Apothekengrundstücks auf den Apotheker Lorenz Wilhelm Marxen über. Carl Herrmann Trommsdorff verkauft die Apotheke und das Apothekengrundstück noch zu Lebzeiten seines Vaters an Marxen, um 1880 die Marien-Apotheke zu erwerben. Lorenz Wilhelm Marxen stammt aus Flensburg, wo er auch seine Lehre absolviert hatte. Er war dann in Tönning, Hamburg, Saarbrücken und Frankfurt am Main als Gehilfe tätig gewesen und hatte in Kiel studiert. Er kaufte die Schwan-Apotheke in Husum am 01.04.1854 für 51.000 Mark. 1856 heiratete er die Tochter des Friedrichstädter Bürgermeisters und verlebte einige glückliche Jahre in Husum. 1870 verkaufte er die Apotheke in Husum, um drei Jahre später die Apotheke gleichen Namens in Erfurt zu erwerben. 1878 erfolgt die Verlegung der Apotheke vom Anger 66 / Schlösserstraße 2 nach dem Anger 64 wegen des bevorstehenden Neubaus des Hauptpostamtes (1892-1895).

1882 gehen Apotheke und Apothekengrundstück für 248.000 Mark auf den Apotheker Hugo Kühn über. 1887 auf den Apotheker Guido Ackermann, 1904 auf den Apotheker Carl Adolf Göring und 1918 schließlich auf den Apotheker Paul Gaitzsch.

Am 12.04.1945 wird die Apotheke am Anger 64 durch alliierten Artilleriebeschuss total zerstört.

Die Entwicklung der Apotheke nach 1945





Am 06.06.1945 eröffnet die Apotheke in der Bahnhofstraße 2 neu und entwickelt sich in der Folgezeit mit vier approbierten Apothekern zur größten Apotheke Thüringens.

Ein schwerer Autounfall am 24.05.1950 überschattet das Geschäft. Auf der Rückfahrt der 14-köpfigen Belegschaft von einem Betriebsausflug nach Witterda sterben vier Menschen und neun weitere sind schwer verletzt.

Am 21.08.1963 übernimmt der Apotheker Wolfgang Richter, bisheriger Leiter der Stadtpark-Apotheke kommissarisch die Leitung der Apotheke. Grund ist das im selben Jahr erfolgte Ableben von P. Gaitzsch.

Am 01.10.1963 wird die Apotheke verstaatlicht. Mit ihrer Leitung wird der bisherige kommissarische Verwalter W. Richter betraut.

Die Apotheke erlangt am 15.01.1967 den Status einer Kreisapotheke. Dr. W. Richter bleibt Leiter der öffentlichen Apotheke, neuer Kreisapotheker als Nachfolger von W. Zabel-Langhennig wird Dr. Manfred Hädicke. Verlegung des Buchungszentrums der Erfurter Apotheken von der Grünen Apotheke in das Gebäude der Schwan-Apotheke.

01.01.1968: Strukturveränderungen und organisatorische Maßnahmen führen bis 1984 zur Unterbringung mehrerer neugeschaffener zentraler Einrichtungen in dem Apothekengebäude.

Nach Bildung des VBdGWE (Versorgungsbetriebes des Gesundheitswesens Erfurt) am 01.01.1974 unter Leitung des Kreisapothekers Dr. M. Hädicke nimmt dessen Direktion ihren Sitz in dem Apothekengebäude, in welchem u.a. auch das Reagenzienzentrum des VBdGWE untergebracht wird. Es erfolgt die Neueinrichtung der Offizin und die bauliche Umgestaltung des Gebäudes entsprechend den neuen Erfordernissen.

Am 01.01.1976 geht das gesamte Apothekengrundstücks in die Verfügungsgewalt des VBdGWE über.

1980 erfolgt die Verlegung des Lehrzentrums aus dem Gebäude der Adler-Apotheke in die Bahnhofstraße 2.

Das Gebäude beherbergt nun folgende Querschnittsabteilungen des Pharmazeutischen Zentrums Erfurt:
Reagenzienzentrum, Abteilung Ökonomie, Abteilung Pharmazie, Lehrzentrum, Abteilung Kaderbildung und Direktorat.

Am 01.01.1985 erfolgt die Umwandlung des VBdGWE in das "Pharmazeutische Zentrum Erfurt"; die Apotheke übernimmt 1984 von der Grünen Apotheke die Dienstbereitschaft für den Spät- und Sonntagsdienst.

Die Schwan-Apotheke nach der politischen Wende 1989



Nach der Wende und dem Ende der DDR wird die Schwan-Apotheke reprivatisiert. Am 01.04.1991 übernimmt Oberpharmazierat Ernst Matschke die Schwan-Apotheke.

August - Oktober 1991 wird die Schwan-Apotheke umgebaut und modernisiert.

Ernst Matschke übergibt am 01.01.1999 die Apotheke an Dr. Ralf Jaekel, der im Juni 2000 tragisch verstirbt.

Am 01.06.2001 wird die Apotheke von Axel Hock übernommen. Unter seiner Leitung erhält die Schwan-Apotheke eine Neugestaltung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und im Jahr 2006 eine grundlegende Modernisierung der Apotheke und des Verkaufsraumes. Heute präsentiert sich die Schwan-Apotheke als moderne und kundendienstfreundliche Apotheke, die die bedeutungsvolle Tradition des Hauses fortführt.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die freundliche Unterstützung von Frau Apothekerin Gisela Ronneberger bei der Recherche zur Historie der Schwan Apotheke.